Wollen wir in Oberkulm Wachstum um jeden Preis?

Das Positive und sehr erfreuliche vorweg: Das Fazit der Ortsbild-Analyse, die im Rahmen der neuen Raumplanung erstellt wurde, bestätigt es; Unsere (Zitat) «Siedlungsstrukturen sind weitgehend dörflich geprägt und entsprechen dem gängigen Bild vom Leben auf dem Land

Und wenn wir die demografische Zusammensetzung der Bevölkerung anschauen, und dabei auch die Zentralisierung der Industrie auf das obere und untere Wynental betrachten, so kommt man nicht umhin festzustellen: Der Standort Oberkulm ist für die Industrie und das Gewerbe kein Magnet, wohl aber für Familien und Einzelpersonen, die das ruhige Wohnen mit Blick ins Grüne suchen. Dafür braucht es weder Hochhäuser noch 08:15-Mehrfamilienhaus-Überbauungen. Oberkulm tut gut daran, das Dorf attraktiv zu behalten für diejenigen Einwohner-/innen, die unsere bereits vorhandenen Qualitäten zu schätzen wissen.

In der neuen Raumplanung wird diesen Faktoren eine grosse Bedeutung beigemessen, und der Erhalt dieses ländlichen Charakters ist einer der wichtigsten Eckpfeiler des neuen Konzepts.

Wenn wir die aktuelle Bautätigkeit in Unterkulm betrachten, können wir eigentlich nur dankbar sein für diesen umsichtigen Umgang mit unseren Qualitäten und Werten. Mit einem Zusammenschluss der beiden Gemeinden hätten wir schlussendlich nicht nur die Stärken fusioniert, sondern auch alle Folgen und Konsequenzen aus der Raum- und Verkehrsplanung. Wenn dann zusätzlich die Aussagen des Unterkulmer Gemeindeammanns aus der Broschüre zur Gmeind 2019 in diesen Kontext gestellt werden, sollte dies auch dem hartnäckigsten Fusions-Befürworter zu denken geben. Zitat: «Die Steuereinnahmen steigen trotz Bevölkerungswachstum nicht wie geplant und die Sozialausgaben drohen trotz einmaligem Sondereffekt weiter zu steigen. …Für die Bewältigung unserer Aufgaben sind wir weiterhin stark auf den Zustupf des kantonalen Finanzausgleichs angewiesen». Wollen wir daran antizipieren? Sind geteilte Probleme und Schulden tatsächlich halbe Probleme und Schulden? Oder lehrt uns die Vergangenheit mit ganz vielen Beispielen nicht genau das Gegenteil?

Wachstum führt nicht automatisch zu mehr Wohlstand, das mussten Gemeinden wie Emmen LU, Köniz BE oder Oensingen SO schmerzlich erfahren. Die anfängliche Euphorie für den forcierten Wachstum ist inzwischen einer Ernüchterung gewichen, finanziell geht es schon lange nicht mehr auf.

Das wollen wir in Oberkulm ganz sicher nicht. Wir freuen uns über neue Mitbürger und Mitbürgerinnen, und heissen alle mit offenen Armen willkommen, die unseren ländlichen Charakter schätzen. Aber wir wollen kein Wachstum um jeden Preis. Dazu gehört auch, die Bautätigkeit am tatsächlich vorhandenen Wohnungsbedarf, und nicht an einer utopischen Vision auszurichten.

Leserbrief Urs Bader, aus dem Wynentaler Blatt vom 28.06.2019.

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Aktuell ausgestecktes Bauprojekt an der Rotkornstrasse.